gordon-creative.com - Digital Lifestyle http://gordon-creAtive.com de-de Die Relativitätstheorie http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Filmkritik_zu_Inception-33 Wed, 28 Jul 2010 14:43:02 +0000 gordon-creAtive http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Filmkritik_zu_Inception-33
Dann hat jedoch der Chef eines großen Energiekonzerns (Ken Watanabe) einen ungewöhnlichen Auftrag für ihn: Er soll keinen Gedanken stehlen, sondern den Erben seines größten Konkurrenten (Cillian Murphy) beinflussen, das Imperium seines Vaters zu zerschlagen. Dieses Vorgehen wird "Inception" genannt.

Dom Cobb schafft es, auf einem Flug das Opfer zu betäuben und begibt sich zusammen mit einigen Komplizen in dessen Traum. Um das Ziel zu erreichen verschachteln sie mehrere Träume ineinander. Die Situation gerät jedoch außer Kontrolle, als sich herausstellt, dass das Opfer gegen Traummanipulationen trainiert worden ist. In den tieferen Ebenen des Traums stellen sich zusätzlich die Erinnerungen von Dom Cobb in den Weg, die dieser nicht unter Kontrolle hat.



Der Einstig des 148 Minuten langen Filmes gestaltet sich ein wenig langatmig, dient jedoch der Einführung die komplexe fantastische Welt. Dann jedoch, wenn der Film nach recht kurzer Zeit seine eigentliche Handlung beginnt, schafft er es den Zuschauer mit einem parabelförmigen Spannungsbogen (-x²) zu begeistern. Die vielschichtige Welt, in die man entführt wird, bietet das Gerüst für eine der ungewöhnlichsten Geschichten, die je im Kino zu sehen waren und schafft es, in dieser Hinsicht großartiger als Matrix zu sein.

Bemerkenswert sind auch die Charaktere, die von Ellen Page und Tom Hardy gespielt werden, beide schaffen es, auf hohem Niveau einen schauspielerischen Akzent zu setzen. Tom Hardy stellt einen äußerst glaubwürdig kreativen und etwas eigenartigen Charakterimitator dar, während Ellen Page in ihrer Rolle als Frau für komplexe Kontruktionen und Überlegungen glänzt und in gewisser Hinsicht das Rückgrat des Filmes ist, weil sie zusammen mit dem Zuschauer in die ungewöhnliche Materie eingeführt wird.

Die fantastische Welt des Traumes bietet aufgrund ihrer Gesetzlosigkeit ein ungeheures Potential an philosophischen Aspekten, von denen im Film dann leider nur einige wenige betrachtet werden, dagegen wirkt die Szenerie hin und wieder etwas zu actionlastig, auch wenn diese Szenen handwerklich gut gemacht sind.

Denoch ist der Film absolut sehenswert, gerade wegen der fantastischen und komplexen Situationen, und lädt dadurch auch zum mehrmaligen Sehen ein. Bemerkenswert ist außerdem, dass er mit erfrischend unbrutalen Szenen auskommt.]]>
Die Welt ist keine Scheibe http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Konstruktive_Kritik_zur_Zukunft_von_sozialen_Netzen-32 Wed, 21 Jul 2010 15:35:25 +0000 gordon-creAtive http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Konstruktive_Kritik_zur_Zukunft_von_sozialen_Netzen-32
Das selbsterklärte Ziel von Facebook ist, Menschen zu vernetzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Inhalte auszutauschen und zu diskutieren. Dabei tritt jeder Teilnehmener als virtuelles Abbild seines realen Ichs auf. Facebook gibt sich Mühe, den Nutzer dazu zu bewegen, dass dieses Bild möglichst umfassend und vollständig ist. Zusätzlich zielt Facebook darauf ab, sämtliche Kommunikation auf die von ihnen angebotenen Möglichkeiten zu reduzieren.



Wenn Facebook versucht, die sozialen Interaktionen der Menschen ins Internet zu projezieren, sollte ein Blick auf das soziale Verhalten der Menschen in der realen Welt geworfen werden. Hier ist zu beobachten, dass der Mensch in einer ganzen Reihe von sozialen Netzen agiert: Er verkehrt mit seinen engsten Freunden. Er trifft sich mit Bekannten in der Disco und lernt dort weitere Menschen flüchtig kennen. Zweimal pro Woche besucht er das Training im naheliegenden Boxclub. Am Wochenende spielen er und seine "Friends" aus der Steamcommunity Internetspiele. Wochentags geht er mit seinen Kollegen mittags in der Kantine essen.

Zum einen definieren sich diese sozialen Netze durch die partizipierenden einzelnen Personen, zum anderen -was oft vergessen wird- durch die Rolle, in die sich die Person selbst gegenüber den anderen begibt. Die engen Freunde kennen die Probleme, Wünsche und Meinungen ihres Freundes viel genauer, als der flüchtige Flirt in der Disco. Im Boxclub mimt er den Coolen, während er sich vor seinen Kollegen als zurückhaltenden, akurat vorgehenden Arbeitnehmer gibt. Beim wöchentlichen Onlinespiel spielen die Emotionen auf einer kompett anderen Ebene, hier werden Charakterzüge verdeckt, die in anderen Netzen ausschlaggebend sind.



Facebook dagegen zwingt uns diese Vielschichigkeit aufzugeben. Alle sozialen Netze werden in ein einziges gepresst. Hier bleiben dem User nur zwei Möglichkeiten: Entweder, er zeigt ein Gesicht, dass er guten Gewissens allen zeigen kann - und bleibt dann vor allem für engere Freunde ein scheinbar unemotionales Profil. Oder er wird zum digitalen Exibitionisten und zeigt seinen "Freunden", die sich aus echten Freunden, Kollegen und Discoflirts zusammensetzen, Charakterzüge und Eigenschaften, die diese nicht einmal sehen wollen.

Noch einmal problematischer ist, dass Facebook dem sozialen Netz des User nicht nur Menschen, sondern auch Marken aufdrängt ("Gefällt mir", etc.). An dieser Stelle wird er in ein digitales Schaufenster gestellt, ganz unabhängig davon, wieviel er von sich preisgibt und zeigt.



Längerfristig wird diese Eindimensionalität nicht funktionieren. Hat sich die Einrichtung eines sozialen Netzwerks im Internet etabliert, wie es durchaus bei Facebook zu beobachten ist, wird eine Differenzierung stattfinden. Teilweise zeigt sich diese Entwicklung schon durch den Erfolg von sozialen Netzen abseits von Facebook, die eine andere Ebenen ansprechen. Zu nennen ist hier unter anderem Twitter, Xing oder Foursquare. Aber auch weniger bekannte oder weniger offensichtliche gehören dazu, wie die klassischen themenbezogenen Foren oder die Autorenschaft von Wikipedia, selbst 4chan verdient seinen Platz in diesem Gefüge.

Es ist zu erwarten, dass der rasante Aufstieg Facebooks zumindest längerfristig stagniert und sich neue soziale Netze dazugesellen. Neben einer zusätzlichen Vielfalt kann dies auch wieder für mehr Privatsphäre sorgen.

Alle Bilder dieses Artikels stammen aus dem sozialen Netzwerk flickr, von den Nutzern FotoRita, flyzipper und NuageDeNuit. Die Bilder sind unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht worden.]]>
Kaltes Gestein http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Filmkritik_zu_Moon-31 Mon, 19 Jul 2010 09:20:35 +0000 gordon-creAtive http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Filmkritik_zu_Moon-31


Der Film beginnt mit einer Werbesendung der Firma "Lunar", welche für die Produktionstädte auf dem Mond verantwortlich ist. Nach dem positiven Bild, welches die Werbung malt, schafft es der Regisseur Duncan Jones, den Zuschauer authentisch in das wenig abwechslungsreiche und einsame Leben von Sam Bell einzuführen: Instrumente überprüfen, Status aufnehmen, befüllte Heliumkapseln zur Erde schießen. Während man in der dichten Atmosphäre des Filmes gefangen ist, erzeugt durch starke, farblich exzellent komponierte Bilder, stellt man sich die Frage: Was soll da oben eigentlich passieren? Der erste Höhepunkt - Sam Bell findet sich selbst in dem verunglückten Rover- ist genial inszeniert, Jones schafft es den Zuschauer exakt zu vermitteln, in welcher Situation der Protagonist beim Anblick seines eigenen Ichs befindet. Leider mangelt es dem Film in den daraufolgenden Szenen etwas an Glaubwürdigkeit, Sam Bell scheint sehr schnell damit zurechtzukommen, dass er plötzlich zweimal exisitert.

Denoch wird von diesem Zeitpunkt an die Spannung stetig erhöht, in einem sehr gut gewählten Tempo offenbahrt sich die geniale und vielseitige Geschichte, die nur an einigen wenigen Kanten ein paar Ungereimtheiten zeigt. Wundervoll ist, dass der Film vielschichtige Motive, wie z.B. Menschenrechte aufgreift und behandelt, was auch nach dem Kinobesuch noch einige Zeit zum Nachdenken anregt, nachdem man aus der kalten, einsamen Stille in die Realität entlassen wird.]]>
Der König ist tot http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Facebook_prophezeit_kurzsichtig_das_Ende_der_E-Mail-30 Thu, 17 Jun 2010 10:53:57 +0000 gordon-creAtive http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Facebook_prophezeit_kurzsichtig_das_Ende_der_E-Mail-30 auf der "Nielsen Consumer 360 Conference" das Ende der
E-Mail voraus:



Sandberg nimmt als Indikator für die Zukunft das Verhalten Jugendlicher. Sie sagt dazu wörtlich: "[…]only 11% of teenagers e-mail daily[…]". Leider ist dies nur sehr beschränkt ein Hinweis darauf, dass die E-Mail als Kommunikationsform aussterben wird, denn Jugendliche sind nicht per se die Glaskugel unserer Gesellschaft.

Richtig dagegen ist jedoch die Beobachtung, dass Social Media die Kommunikationswelt verändert. In einer Studie -ausgerechnet von Nielsen- kommt man zu dem Schluss, dass Social Media die Kommunikation per E-Mail sogar noch erhöht:

Bilde der Resulate der Studie

Das Problem liegt der kurzsichtigen Betrachtung der Kommunikationsformen zugrunde. Genau wie in der Gesellschaft die Form (z.B. das eigene Verhalten, die Kleidung, etc.) dem Anlass entsprechen sollten, trifft dies auch für die Kommunikation zu. Facebook ist der ideale Weg, mit Freunden, welche man persönlich kennt, eine dauerhafte Kommunikationsbeziehung herzustellen. Diese Beziehung kann als Fundament für neue Kommunikationsformen dienen, wie z.B. Telefon oder eben E-Mail. Für geschäftliche Kommunikation beispielsweise ist Facebook keine Alternative und kann in dieser Form auch keine werden.

Inzwischen enthält ein E-Mail-Postfach nicht nur reine Kommunikation, der Anteil von simplex vermittelter Information hat sich massiv erhöht. Beispiele hierfür sind E-Bay Benachrichtigungen, Amazon-Newsletter oder eben E-Mails von Facebook, dass X einen Freundschaftsantrag gestellt hat. Eine Vielzahl von Diensten baut auf der kanonischen E-Mail-Adresse auf und nutzt diese als Kommunikationszentrale. Alle 400 Millionen aktiven Facebook-User haben eine gültige E-Mail-Adresse angegeben – ohne die Vorrausetzung, dass hinter jedem neuen User tatsächlich eine "einzigartige" Person steht, kann ein soziales Netz wie Facebook nicht funktionieren.

Mit der zunehmenden Internetkompatibilität von Smartphones und der Etablierung entsprechender Tarife seitens der Telekommunikationsbetreiber ist dagegen wahrscheinlicher, dass die E-Mail als kostengünstigere und flexiblere Alternative zu der klassischen SMS eine Renaissance als Kommunikationsmedium erleben wird – in recht friedlicher Koexistenz zu anderen sozialen Medien.

Der Autor dieses Blogs arbeitet beim größten deutschen E-Mail-Provider. Dies ist jedoch als Privatmeinung anzusehen. ]]>
Das Internet vergisst http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Interview_mit_dem_Mann_hinter_Kattoo-28 Sun, 30 May 2010 19:16:41 +0000 gordon-creAtive http://gordon-creAtive.com/?Artikel:Interview_mit_dem_Mann_hinter_Kattoo-28 Kattoo", dessen Stil schwer einzuordnen ist, am einfachsten jedoch mit kreativ beschrieben werden kann. Er selbst beschreibt sich als Perfektionist und hat ungefähr in den 90er Jahren angefangen, Musik zu kreieren. Ausgehend von Techno über Drum'n Bass kam es schließlich zu dieser experimentellen Stilrichtung. Mit dem Projekt "beefcake" veröffentlichte Volker Kahl 1997 seine erste Platte "Spontaneous Human Combustion". Nach einigen Jahren stieg sein Partner Gabor Schablitzki aus Zeitmangel aus, woraufhin Volker das Projekt 2004 als "Kattoo" weiterführte.



Warum hast du dich dazu entschlossen, Musik zu machen?
Die Motivation war etwas zu erschaffen, das meinem Ideal von Musik entspricht und die Leute zu überraschen. Seit Kattoo treibt mich auch so ein wenig der Wunsch, etwas zu schaffen das über mein physisches Leben hinaus ein paar Spuren hinterlässt, zumindest ist es der Versuch ein paar Fussabdrücke zu hinterlassen. Wobei ich mir da nicht mehr wirklich sicher bin, ob dies das geeignete Mittel dazu ist. Bei der Fülle von Künstlern und Veröffentlichungen versinkt man in der breiten Masse. Ich mache jedoch immer wozu ich gerade Lust hab und halte mich nicht an Stilregeln oder Konventionen, denn ich hab keine Lust mich selbst zu limitieren.

Wie würdest du deinen eigenen Musikstil beschreiben? Welche Einflüsse spielen eine Rolle?
Ich benutze und mache eigentlich nur was mir gefällt, ohne Rücksicht auf Stile oder Genres zu nehmen. Es gibt sicherlich hier und da Tendenzen, aber ich beschränke mich da nicht selber, indem ich Zielgruppenorientiert produziere und von vornherein Dinge ausklammere. Was immer mir gefällt verarbeite ich. Da ich selbst praktisch jegliche Musik höre und in ihr interessante Elemente finden kann, fließen auch all die verschiedenen Einflüsse in meinen eigenen Stil ein. Ich höre mir wirklich alles an, von Klassischer Musik über Rock, Pop, Drum & Bass, elektronische Musik, als auch Schlager, Filmmusik, Folk usw. Es gibt überall gute Musik zu finden, denn wenn man bestimmte Stilrichtungen kategorisch ausklammert, entgeht einem mächtig viel gute Musik.



Erzähle von der Produktion deiner Alben!
Die Produktion meiner Alben ist schon ein Kampf und teilweise auch Krampf. Ich brauche durch meinen Drang, alles bis ins Kleinste zu perfektionieren, ziemlich viel Zeit, die ich eigentlich nicht habe. Wie jedem auf meiner Webseite ersichtlich ist, sind meine Veröffentlichungen alles andere als Verkaufsschlager. Ich finanziere die Produktionskosten und Produktionszeit über einen anderen Job, was nicht immer ganz einfach ist. Die ersten drei Kattoo Alben sind in drei aufeinanderfolgenden Jahren entstanden, 2004, 2005 und 2006. Da habe ich jedes Mal zwischen 6 - 8 Monate Vollzeit Arbeit reingesteckt. In Folge dessen blieb mir für meine reguläre Arbeit nur sehr wenig Zeit, was dazu geführt hat das ich Ende 2006 komplett pleite und über mehrere Monate nicht einmal krankenversichert war, da ich die Beiträge nicht zahlen konnte. Ich schon drauf und dran den ganzen Musikkrams hinzuschmeissen und komplett aufzuhören. Die folgenden Jahre bis 2009 habe ich dann erst mal gebraucht, um mich finanziell wieder zu erholen. Dann dachte ich: "Ein Album machst du noch". Ich wollte unbedingt mit Kattoo eins mehr produzieren wollte als mit beefcake, wo es nur zu drei Alben gereicht hat. Von Juni 2009 bis Mai 2010 habe ich wieder ungefähr ein halbes Jahr Vollzeit-Arbeit in das aktuelle Album gesteckt und nur nebenher ein paar Jobs gemacht, um mich über Wasser zu halten.



Welche Motivation steckt hinter deiner ungewöhnlich Wahl von Songtitel, wie zum Beispiel "Place 1", "Place 2", "Place 3", etc. oder die "binäre" Schreibweise auf deinem neuen Album?
Das ist teilweise Faulheit und teilweise Konzept, die Benennung der Titel ist bei Instrumentalmusik immer so eine Sache. Während der Produktion haben die Tracks meist kaum sinnvolle Namen und dementsprechend muss man sich dann am Ende einen überlegen. Oder eben nicht, wenn man es so macht wie bei dem Album "Places" und "Megrim". Gerade wenn die Tracks zusammenhängen, finde ich die separate Benennung eher sinnlos, der Name des Albums reicht dann völlig aus. Beim vorletzten Album habe ich dann ein einziges mal richtige Namen verwendet. Beim neuen Album wollte ich dann aber etwas unkonventionelles machen und habe mir einen Code gebastelt, mit dem die Tracknamen verschlüsselt sind. Den hat aber schon ein findiger Hörer geknackt!

Warum nutzt du nicht mehr die klassischen Wege zum Verkauf von Musik?
Wenn ich mir meine regulären Verkaufszahlen über den klassischen Weg anschaue (die man auf meiner Homepage nachlesen kann), dann wird schnell klar, warum das keinen Sinn macht. Bei Verkaufzahlen unter ungefähr 500 Exemplaren bleibt nach Abzug der Kosten für Pressung, Vertrieb usw. kaum noch was übrig. Je nach Veröffentlichungsart und Verpackung der CD braucht man zwischen 140 - 250 Verkäufe, um die Kosten für die Pressung zu bezahlen. Wenn man dann wie ich in 4 Jahren gerade mal um die 500 Alben verkauft bekommt, kann sich jeder selber ausrechnen was da nach Abzug von Vertrieb, Einzelhandel und Label für mich von den 15 € übrig bleibt, die eine CD kostet. Da es auch seit Jahren immer weniger werden (vom letzten Album 2006 habe ich nicht einmal 500 Stück verkauft) ist das Risko, dass ich auf den Kosten für Pressung usw. sitzenbleibe, einfach zu groß. Für einen kleinen Künstler wie mich gibt der herkömmliche Vertrieb nichts mehr her, folglich lasse ich es sein damit.



Welche Erfahrungen hast du mit dem digitalen "self-distributing"?
Das neue Album ist jetzt einen halben Monat draußen, ich kann noch nicht viel sagen, außer das es momentan nicht wirklich so aussieht, als gäbe es großartig positive Veränderungen. Seit sich die ganzen Piratenseiten über mein neues Album hergemacht haben, tut sich nicht mehr viel, was reguläre Downloads angeht. Bisher haben 107 Leute mein Album über meine Seite mittels einer Spende regulär erworben, dem gegenüber stehen bis jetzt 51 illegale Uploads auf Sharehoster wie Rapidshare, die löschen haben lassen und eine nicht unerhebliche Anzahl, die ich nicht gelöscht bekomme. Da braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen, das zeigt ganz gut wie es momentan aussieht und welchen Support man zu erwarten kann.
Aber ich hab ja nichts zu verlieren, ich warte erst einmal ab und sofern ich nicht über 300 bezahlte Downloads komme, ist nicht zu erwarten, dass ich mich musikalisch weiter betätige. Ich bin auf alles vorbereitet, wenn es nicht klappt, lass ich es halt sein und widme mich anderem. Das neue Album ist praktisch auch eine Art Abschiedsgeschenk an die wenigen Leute die mich bisher unterstützt haben und die restlichen wird es wohl kaum jucken, wenn ich von der Bildfläche verschwinde.
Es geht zwar bei all dem nicht primär um das Geld, aber ich bin auch nur ein Sklave unseres materialistischen Systems und wenn ich für ein halbes Jahr Arbeit nicht mal soviel reinbekomme, dass ich die nötigsten Dinge wie Krankenversicherung, Strom und Essen bezahlen kann, dann macht das auf Dauer zu viele Probleme.
Als Urheber ist man heute Teil des ultimativen Bösen, der verdammenswerten Contenmafia usw. So richtig motivierend ist das nicht wirklich, man investiert Arbeit, Zeit und Geld und ist am Ende noch der Buhmann, den keiner leiden kann. Da bleibt nicht mehr viel übrig außer Frust. Wenn einem dann noch profilierungssüchtige Warezjünger die Butter vom Brot nehmen und Dank und Anerkennung einheimsen dafür, dass sie mal was auf einen Sharehoster hochladen, dann vergeht es mir vollends. Ich hab nichts dagegen, wenn die Leute meine Musik in ihrem Freundeskreis weitergeben, aber das Hochladen bei kommerziellen Firmen wie Rapidshare, die daraus Profit ziehen und das Zupappen der Veröffentlichungen mit bescheuerten Warezseitenlogos ist einfach unter aller Sau. Als wenn es eine Leistung ist, eine meiner Dateien irgendwo hochzuladen. Wenn das alles ist, was man heute erwarten kann, dann fällt mir der Abschied wirklich nicht schwer.



Du hast auch eine zeitlang versucht, deine Musik kostenlos anzubieten. Welches Fazit ziehst du aus diesem Experiment?
Das nicht wirklich funktioniert, ich hatte zwar massenweise Traffic (104GB) und ebenso viele gedownloadete Tracks (14.248 Stück), aber gespendet haben am Ende nur 31 Leute. Da mich der Traffic fast noch zusätzlich Geld gekostet hätte, habe ich das nach einem halben Jahr wieder eingestellt. Am Ende bleibt für mich in weiten Teilen nur die Erkenntnis, dass es für meine Musik keine wirkliche Zukunftsperspektive gibt, auch weil das Bewusstsein, dem Urheber etwas zurückzugeben, immer mehr schwindet.

Alle Musikstücke von Kattoo können auf der Homepage http://www.kattoo.de kostenlos in voller Länge probegehört und bei gefallen entweder als FLAC oder als 320 kbit/s MP3 digital gekauft werden. Vielen Dank an Volker Kahl für das Interview!]]>