| Habe vor kurzem #modernwarfare 2 auf Veteran durchgespielt und die Credits übersprungen. Da habe ich wohl was verpasst... #ghost |
24 01 10 |
Filmkritik: Soul Kitchen |
Nur wenige andere Filme wurden von mir mit einer so großen Erwartungshaltung empfangen wie "Soul Kitchen". Fatih Akıns Komöde sollte - so suggerierte es Trailer - eine alltägliche, ungewöhnliche Geschichte zwischen Selbständigkeit, gutem Essen und guter Musik, Liebe und einem Bandscheibenvorfall erzählen. Es war insbesondere die Paarung zwischen Essen und Musik, die so neugierig auf diesen Film machte. (Um dem Film den nötigen Rahmen zu geben, besuchte ich vor dem Kino ein italienisches Restaurant).
Zinos hat im Industriegebiet ein einfaches gutbürgerliches Restaurant, dessen kulinarische Spezialitäten (auch in ihrer Herstellung) viel Ähnlichkeit mit der Speisekarte einer Studenten-WG haben. Da er zu Anfang einen Bandscheibenvorfall erleidet und sich von nun an als einigermaßen bewegliche Granitstatur durch Hamburg bewegt, stellt er den Delikatessenkoch Shayn ein, der sich mit der Speisekarte etwas schwertut. Zinos größtes Problem ist jedoch seine karrierefixierte Freundin, die der Meinung ist, in China als Botschafter mehr Glück zu finden als zu Hause bei Familie und Freund. Zinos Freundin ist nun in weiter Ferne, hat aber von nun an seinen Bruder Illias an der Backe, der gerade seinen ersten Freigang vom Knast bekommen hat und Zinos Rastaurant als Alibi-Arbeitstelle missbraucht. Zu den privaten Problem gesellt sich der alte Schulfreund Thomas Neumann, erfolgreicher und egoistischer Zuhälter und Unternehmer, der Zinos Grundstück erwerben will und dazu sehr zweifelhafte Maßnahmen ergreift. Fatih Akın gelingt es, die Geschichte Zinos äußerst glaubwürdig und denoch sehr locker zu erzählen. Größte Sorgfalt wurde auf die extrem authentischen Charaktere verwendet. Allen voran ist hier Moritz Bleibtreu als Zinos Bruder zu nennen, der an sich ein cooler und netter Mensch ist, jedoch bei ernsteren Situation des Lebens Probleme hat, die richtige Entscheidung zu treffen. Zinos Kellnerin ist der Inbegriff einer emanziperten und kreativen Frau, eigentliche Künstlerin, die illegal im obersten Stock einer unfertigen Wohnung in der Speicherstadt wohnt, wo die Aussicht in Hamburg am Schönsten ist. Zinos neuer und genialer Koch ist eine exzentrische Augenweide, der aus Fischstäbchen und Ketchup-Mayo ein scheinbares Fischfiletluxusgericht für 45 € zaubern kann. Neben dem Essen, das dafür verantwortlich ist, dass der Konsum des Films auf nüchternen Magen zur Mutprobe wird, setzt die groovige Musik, mal jazzig, mal in Richtung Electro, dem Film die Krone auf. Die gut eingesetzte Musik wird von einigen perfekt getroffenen Kameraeinstellungen unterstrichen und schafft es damit in der Liga von Radio Rock Revolution mitzuspielen. Fatih Akın verzichtet in seinem Film auf simple und oberflächliche Slapstick-Witze, schwankt zwischen traurig-komischen und lustig-fröhlichen Situationen, die oft recht komplex konstruiert sind. Soul Kitchen ist ein wunderbarer Film, so wunderbar, dass es schon fast traurig ist, dass das Restaurant des Film nicht wirklich existiert. |